Dienstag, 30. Januar 2018

Der Film "the social network"

Passend zum Buch über die neuen Reichen habe ich den Film "the social network" über die Entstehung von Facebook gesehen. Hier treffen wir auf einige Studenten, die 2003 den großen Traum hegen, im noch relativ neuen Internet den großen Coup zu landen. Reich werden, Mitglied in exklusiven Clubs werden, interessante Leute kennen lernen, das ist der Traum von Mark Zuckerberg. Ein paar seiner Webseiten erreichten Besucherrekorde, entsprachen aber nicht dem moralischen Niveau der Harvard-Universität und er musste sie wieder vom Netz nehmen.
Die beste Idee haben zwei Kommilitonen, die Winklevoss-Brüder, nämlich die eines exklusiven Kontaktnetzwerks für Harvard-Studenten (und Studentinnen). Sie heuern Mark als Programmierer für ihr Projekt an. Er will aber nicht nur der Programmierer sein, sondern der Chef. Darum hält er seine Auftraggeber wochenlang hin und programmiert in der Zwischenzeit Facebook. Die Seite wird ein schneller Erfolg unter den Studenten seiner Hochschule. Die Winklevoss-Brüder sind entsetzt.
Das Geld für die Server erhält Mark von seinem Freund Eduardo. Die beiden expandieren zu weiteren Hochschulen, und dann wird Sean Parker auf sie aufmerksam, der Erfinder von Napster. Er bietet sich an, sie zu beraten und lockt mit seinen Kontakten zur Business-Welt. Ab da geht es steil bergauf. Eduardo, für den sich Facebook in die falsche Richtung entwickelt, wird gnadenlos ausgebootet.
Der Film legt seinen Schwerpunkt auf den juristischen Aspekt des Ideendiebstahls und den ethischen Aspekt, dass Zuckerberg für den Erfolg seine Freundschaften opfert. Ich sehe hier aber noch ein paar andere Aspekte.
Wir haben hier zwei Studenten, Mark und Eduardo, die den Traum vom schnellen Erfolg im E-Business träumen. An jedem Punkt, an den sie gelangen, glauben sie, das Richtige zu tun. Mark hat ja eigentlich recht damit, dass Ideen an sich nicht rechtlich geschützt sind, und es eigentlich hätte in Ordnung sein sollen, wenn er sein eigenes Facebook programmiert, solange er den Code nicht verwendet, den die Winklevoss-Brüder ihm geliefert haben. Leider wird das im Film nicht näher erklärt, wofür Zuckerberg letztlich tatsächlich abgestraft wurde, aber ich würde vermuten, dass es vor allem eine arbeitsrechtliche Sache war. Schließlich hatte er mündlich vereinbart und implizit ein Arbeitsverhältnis zu den Winklevoss. Das ist etwas anderes als wenn er eine auf einer Party läppisch hingeworfene Idee kopiert hätte. (Dies ist natürlich keine Rechtsberatung, bin juristischer Laie und spekuliere nur.)
Auch ansonsten machen die beiden Jungunternehmer viele Fehler, die gar nicht so ungewöhnlich sind. Da ich schon ein paar Semester weiter bin als sie und professionell solche Küken betreue, kommen bei mir da beinahe mütterliche Beschützeringefühle auf. Und es hat mich eher gestört, mit welcher Kaltblütigkeit die Arbeitsergebnisse und die Unerfahrenheit der beiden Gründer von erfahreneren Leuten ausgenutzt wurden. Sean Parker, der sich durch seine eigenen Fehler schon seine Sporen verdient hatte, die Anwälte und Investoren, alle wollten sie ein Stück von dem Kuchen abhaben, den sie gar nicht selbst gebacken hatten. Die haben sicher ganz genau verstanden, was hier gespielt wird. Ich würde es für glaubwürdig halten, wenn mir Mark und Eduardo versichern würden, dass sie eigentlich gar nichts Schlimmes beabsichtigt haben und der klischeehafte "Freundschaft zerbricht wegen Geld"-Plot oder "Geld korrumpiert den Charakter" für sie gar nicht passt. Wenn man jung ist, durchschaut man die Spielchen der Erwachsenen gar nicht. Zu meiner Zeit sagten wir "Trau keinem über 30" und ich fürchte, das haut immer noch hin. Enttäuschungen korrumpieren nämlich viel mehr als ein paar Millionen Dollar (oder Milliarden) das tun können.

Letztlich unterstützt der Film nur wieder meine Botschaft, dass der Traum vom leicht verdienten Geld gefährlich ist. Erfolg ist aber am gefährlichsten, musste ich feststellen. Da schmeißen sich so viele Trittbrettfahrer aufs Trittbrett, bis die Karre auseinander fällt. Am besten ist man so heimlich erfolgreich, dass keiner davon erfährt. Kleiner Tipp von Ü40. :-)

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