Dienstag, 17. Januar 2017

Judith Mair: Schluss mit lustig! - Warum Leistung und Disziplin mehr bringen als emotionale Intelligenz, Teamgeist und Soft Skills

Judith Mairs Buch spricht mir voll aus dem Herzen. Gut, es ist ein wenig krass, aber es geht definitiv in die richtige Richtung, nämlich dem Trend entgegen. Während ich noch angestellt war, habe ich mich nämlich auch gewundert, warum es nicht genügt, wenn ich vertragsgemäß 40 Stunden pro Woche konzentriert arbeite und ansonsten mein Privatleben pflege. Stattdessen sollte ich durch unehrliches Lob dazu motiviert werden, auch noch kostenlos am Wochenende zu arbeiten.

Aber zu Mairs Kritikpunkten und Argumenten. Sie kritisiert das Prinzip des "Management by the last book read".

Durch die modernen Managementmethoden stehlen sich Vorgesetzte aus der Verantwortung. Sie geben den Mitarbeiter/innen nur Ziele vor, nicht den Weg dorthin. Den müssen diese dann nicht nur selbst finden, sondern auch selbst verantworten. Der Chef ist nicht mehr der erfahrene Senior, der seine Erfahrungen an Jüngere weitergibt. "Vertrauen, Verantwortung und Selbstbestimmung" heißen die drei Schlagworte, die es dem Chef erlauben, Verantwortung nach unten abzuwälzen, fehlende Strukturen zu rechtfertigen und die Mitarbeiter durch unrealistisch überhöhte Zielvereinbarungen zur Selbstausbeutung zu treiben. Dies führt zu einer "Diktatur der Arbeit". Dass der Mitarbeiter nur ein Kostenfaktor ist, kein Firmenvermögen, das ist ja längst bekannt. "Ziel und Pflicht des Unternehmers muss es sein, die Mitarbeiter [...] vor Stress [...] zu bewahren, statt sie darauf abzurichten." Ja, das wäre schön!

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit hat nicht unbedingt zur besseren Work-Life-Balance beigetragen, sondern v.a. die Anzahl der Arbeitsstunden erhöht. Die Stechuhr wurde durch die Kollegen ersetzt, die leider nicht ganz so objektiv mitzählen wie eine Maschine. Gerät jemand in den Verdacht, zu wenig zu arbeiten, wird gleich gemobbt. Gleichzeitig droht das Unternehmen zur Wohngemeinschaft zu verkommen.

Persönlichkeit: Mair stellt zu Recht fest, dass es heutzutage nicht mehr genügt, wenn der Mitarbeiter einfach seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt. Stattdessen muss er die richtige Persönlichkeit mitbringen oder vortäuschen. Somit verbringt der Mitarbeiter seine Zeit nicht nur mit produktiver Arbeit, sondern vor allem mit Selbstdarstellung. Er muss sich gut verkaufen können. Das führt oft dazu, dass hoch qualifizierte Leute keinen passenden Job finden, weil sie sich nicht verbiegen wollen.

Management by Fun: Zusätzlich muss der Mitarbeiter auch noch Spaß an der Arbeit haben, selbst wenn sie langweilig ist. "Die meisten dem Erwerb dienenden Arbeiten sind überhaupt nicht in der Lage, diese Forderungen einzulösen." (S. 81) "Das völlige Aufgehen in der Arbeit wird zum Ziel der Arbeit an sich erklärt. [...] Alles nur eine Frage der inneren Einstellung!" (S. 79)

S. 175: "Es sind heutzutage nicht wenige Mitarbeiter, die die Wahrung der Formen und die Verwendung höflicher Floskeln wie: 'Guten Tag, mein Name ist Frau X, ich habe Sie schon erwartet, ich bin für Sie zuständig, hier ist Ihr Arbeitsplatz, Ihre Aufgabe ist, Ihre Kollegen sind...' einem 'Hi, die Karin meinte, die Woche würde einer kommen, der Stefan ist noch im Team, der weiß, glaub' ich, mehr... pflanz dich einfach irgendwo hin, wir nehmen das hier nicht so genau, ist alles ziemlich locker', vorziehen würden."

Judith Mair: Schluss mit lustig! - Warum Leistung und Disziplin mehr bringen als emotionale Intelligenz, Teamgeist und Soft Skills. Eichborn AG, Frankfurt am Main, Oktober 2002, ISBN 3-8218-3962-7

Montag, 16. Januar 2017

Interview über Wissensmanagement

Für den MOOC "Wissensmanagement" wurde ich von Frau Vollmar zum Thema "persönliches Wissensmanagement" interviewt. Dieses Interview ist nun online hier zu finden. Sie finden das Gespräch auch im Kontext des MOOCs hier.
Andrea Herrmann

Samstag, 14. Januar 2017

Kurs "Requirements Engineering nach IREB" am 24.-26. April 2017

Am 24.-26. April 2017 findet mein Kurs "Requirements Engineering nach IREB" an der Technischen Akademie Esslingen statt. Lernziel ist die Vorbereitung der CPRE Foundation Level Prüfung.

27. Februar 2017: CreaRE Workshop (Sixth International Workshop on Creativity in Requirements Engineering)

Am 27. Februar findet in Essen der CreaRE Workshop (Sixth International Workshop on Creativity in Requirements Engineering) statt, bei dem ich Mitorganisatorin bin. Der Workshop gehört zur REFSQ-Konferenz. Es geht bei diesem Workshop um die Rolle der Kreativität im Requirements Engineering. Das Programm steht noch nicht fest, ist aber in Arbeit. Geplant ist eine Mischung aus Vorträgen und interaktiven Sitzungen.

21.-23. Februar 2017: Requirements Engineering Kurs auf der meccanice feminale

Am 12.-23. Februar halte ich einen Requirements Engineering Kurs auf der meccanice feminale für Ingenieurinnen.

Workshop "Ethische Entscheidungen im Software Engineering" am 20. Januar in Wien

Am 20. Januar findet mein Workshop "Ethische Entscheidungen im Software Engineering" in Wien auf der SQD-Konferenz statt.

Hier die Beschreibung:
Unethische Entscheidungen in IT-Projekten gelangen selten in die Medien, sondern bleiben eher unentdeckt. In diesem Workshop geht es zunächst darum, wo ethisch relevante Entscheidungen getroffen werden von der Kostenschätzung über das Requirements Engineering bis zum Testendekriterium.

Außerdem diskutieren wir:
  • Wie gelangt die Ethik in die Entscheidung?
  • Wie kommt es zu unethischen Entscheidungen?
  • Wie kann ein fauler Apfel die ganze Kiste verderben?
  • Was tun, wenn ich ein gesunder Apfel in einer verdorbenen Kiste bin?
  • Heiligt der Zweck die Mittel?
  • Welche Software Engineering Praktiken unterstützen ethisches Arbeiten?

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Zeit für Fortbildung

Gestern erschien mein Artikel "Zeit für Fortbildung" im Freiberufler-Blog. Darin geht es darum, wie man es in Zeiten des beschleunigten Wissensverfalls bei gleichzeitig steigendem Zeitdruck trotzdem schaffen kann, sich ständig fortzubilden. Die Lösung ist ein synergetischer Mix aus Präsenzschulungen und verschiedenen Formen von E-Learning. Man lernt nie aus!
Andrea Herrmann

Montag, 28. November 2016

Key Learning vom GI-Fachgruppentreffen Requirements Engineering

Am 24. und 25. November fand hier in Stuttgart das Treffen der GI-Fachgruppe Requirements Engineering statt. Dies hier sind meine Key Learnings aus dem Treffen:
- Requirements Engineering ist ein Service, eine Dienstleistung. Requirements sind dann gut, wenn sie für Zweck und Zielgruppe geeignet sind. (Vortrag von Femmer und Vogelsang)
- Bei allen Vorteilen bringen Anforderungsmodelle auch eine Gefahr mit sich, nämlich die Gefahr der Überspezifizierung. Text-Templates dagegen führen zu Redundanzen. (Vortrag von Houdek)

Mittwoch, 23. November 2016

E-Learning für Requirements Engineering nach IREB: Neustart des Kurses

Der E-Learning-Requirements Engineering-Kurs (Foundation Level) startet nun im Dezember in die zweite Runde. Er besteht aus 7 Stunden Videos, aus 10 Stunden Übungen und 9 Stunden Fallstudie. Die Übungen bereiten als Multiple-Choice-Aufgaben auf die Zertifizierungs-Prüfung vor. Dazu gehört auch eine Fallstudie, in der ein realistisches Beispiel spezifiziert wird.
Den Kurs bieten wir gemeinsam mit dem BISG (Bundesverband der IT-Sachverständigen) an.

Mittwoch, 16. November 2016

Andrea Herrmann: "Wege zum fehlerfreien Programm" in der aktuellen Ausgabe der ix

In der aktuellen Ausgabe 11/2016 der Zeitschrift ix erscheint mein Artikel "Wege zum fehlerfreien Programm". Darin geht es um Fragen wie:
  • Was ist ein Software-Fehler?
  • Warum ist es schwierig, Software-Fehler zu vermeiden?
  • Wie kann man ihre Wahrscheinlichkeit trotzdem verringern?
Andrea Herrmann

Freitag, 4. November 2016

Uhren in Seminarräumen

Immer mal wieder fällt mir folgendes auf: Früher hing die Uhr in einem Seminarraum im Blickfeld des Dozenten, damit er seine Zeit kontrollieren kann. Heutzutage hängen die Uhren in Seminarräumen im Blickfeld der Zuhörer - damit diese die Zeit des Vortragenden kontrollieren können? Ich nehme ohnehin einen Rollenwechsel zwischen Dozent und Zuhörern wahr. Immer mehr wird der Vortrag zur Casting-Show, bei der das kompetente Publikum den Vortragenden bewertet. Früher habe ich bei drei Schulungsanbietern noch meine Kursteilnehmer bewerten dürfen - waren sie gut vorbereitet, fleißig und interessiert? Wie war die Stimmung, ist aus meiner Sicht etwas Besonderes vorgefallen? Das wurde auch abgeschafft, denn nur die Qualität des Dozenten steht in Frage, nicht die der Teilnehmer.

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