Formen des E-Learning

E-Learning bedeutet, digitale / elektronische Medien für das Lernen zu verwenden.
Dies kann im weitesten Sinne auch E-Books umfassen. Zumeist meint man damit
aber doch eher eine interaktive oder didaktisch aufbereitete Form des Lernens,
also beispielsweise Video-Selbstlernkurse, Webinare, MOOCs oder Blended Learning.
In den letzten Jahren arbeite ich immer mehr auch in der Fernlehre und Erstellung
von Lehrvideos und möchte darum in diesem Newsletter einige meiner Erfahrungen
weitergeben.

Neulich habe ich in einem Vortrag über E-Learning die verschiedenen Formen vorgestellt.
Hier eine kurze Zusammenfassung davon, sie ich auch in meinem Software Engineering
Newsletter versandt habe:

Selbstlernkurse
enthalten didaktisch aufbereitete Inhalte, mit deren Unterstützung
Sie sich ein Wissensgebiet selbst erarbeiten. Dies kann ein Buch sein, Hörbuch
oder Video. Hier wechselt Theorie mit Übungen ab, die Sie dann in Gedanken,
auf Papier oder auf Ihrem Computer durchführen. Eine Interaktion mit einem
Trainer ist dabei nicht vorgesehen. Der Vorteil für Sie ist, dass Sie den
Zeitverlauf Ihres Lernens selbst steuern können. Besonders gut finde ich solche
Selbstlernkurse für Microlearning, d.h. das gezielte Lernen eines überschaubaren
Sachverhalts. Gute kostenlose Beispiele dafür finden Sie auf Youtube. Dort
können Sie lernen, wie Sie Seemannsknoten machen, Sachertorte backen, eine
bestimmte Software bedienen und so weiter. Umfangreichere Selbstlernkurse
sind kostenpflichtig und verlangen vom Teilnehmer viel Selbstdisziplin und eine
hohe Eigenmotivation.

Ein Webinar ist ein Seminar im Web. Hierbei gibt es eine synchrone Interaktion
mit dem Trainer wie in einem Seminar, nur eben online. Aus Dozentensicht ist
hier alles machbar, was man auch in einem Seminar tun würde, nur keine
physische Interaktion, also Arbeit mit Bauklötzen oder das gegenseitige Zuwerfen
von Bällen. Besonders wichtig ist es, mit den Teilnehmer/innen regelmäßig zu
interagieren, damit sie nicht nebenbei E-Mails schreiben. Aus Sicht des
Teilnehmers ist es ein Seminar, das bei ihm zu Hause stattfindet, in
gewohnter Umgebung mit der gewohnten Verpflegung. Reiseaufwand fällt
weg. Der Termin und Zeitverlauf des Webinars wird durch den Trainer
vorgegeben. Das einfachste Webinar wäre eine Telefonkonferenz,
doch übliche Webinar-Werkzeuge wie Adobe Connect, Vitero oder
das von Edudip erlauben außer der akustischen Interaktion das
Präsentieren von Powerpoint-Folien, das Einblenden des Gesichts des
Dozenten per Webcam und die Beteiligung der Teilnehmer/innen
über ein Zeichentool, Abstimmungstool und Chat.

Ein MOOC ist ein Massive Open Online Course, also eine Online-Vorlesung.
Zumeist werden sie von einer Universität angeboten und befinden sich
auch inhaltlich auf Hochschulniveau. Der Umfang beträgt meist mehrere
Wochen mit wöchentlichen Arbeitszeiten von 2 bis 10 Stunden.
Viele MOOCs sind reine Selbstlernkurse, weil man anders eine
Teilnehmerzahl von mehreren tausend Personen nicht meistern kann.
Oft werden sie kombiniert mit Webinaren oder mit einer zeitgleich
stattfindenden Vorlesung an der Heimatuniversität.
Eine Interaktion mit dem Professor oder seinen Mitarbeitern ist oft
über ein Diskussionsforum möglich. Der MOOC lebt aber v.a. von
den Diskussionen zwischen den Teilnehmern (aus der ganzen Welt!)
und dem Peer Review, d.h. die Teilnehmer bewerten die Qualität der
Hausaufgaben der anderen. Wie in einer Vorlesung wechseln hier Theorieteil
als Videoaufzeichnung einer Vorlesung ab mit Übungen, Hausaufgaben,
die einzureichen sind, sowie benoteten Zwischen- und Abschlussprüfungen.
Nur selten ist das Lerntempo selbst steuerbar, sondern meist sind am
Ende der Woche Aufgaben abzuliefern. Man kann sich nur die Arbeitszeit
innerhalb der Woche selbst aufteilen. Damit entsteht ein gewisser
Druck, der hilfreich sein kann, um den Kurs erfolgreich abzuschließen.
Früher gab es fast alle MOOCs kostenlos, inzwischen sind Teilnahme-
oder Prüfungsgebühren üblich. Oft kann man kostenlos teilnehmen, aber
es wird Geld verlangt für die Abnahme der Abschlussprüfung und
Ausstellung des Teilnahmezertifikats der Universität. Diese sind leider
noch nicht in Deutschland im Studium anrechenbar, aber das wäre
eine denkbare Vision für die Zukunft. Für diejenigen, die nicht mehr
studieren, sind MOOCs eine hochwertige Fortbildung, zumeist aber
auf Anfängerniveau.

Blended Learning kombiniert Real-Life-Seminar und E-Learning und
ist an den deutschen Hochschulen dank flächendeckender Einführung
von Moodle, Ilias oder studIP schon längst ohne viel Aufsehen Alltag
geworden. Den Studenten werden die Vorlesungsskripte, Hausaufgaben-
blätter und manchmal auch Vorlesungsmitschnitte online elektronisch
zur Verfügung gestellt, sie laden ihre Hausaufgaben online hoch und
erhalten ihre Rückmeldung auf demselben Weg. Geblieben sind aber die
Vorlesungen und Übungen an der Hochschule, wo erklärt, diskutiert
und gemeinsam geübt wird.
Die Fernhochschulen wenden dieses Prinzip des Blended Learning
ebenfalls an, jedoch mit dem Schwerpunkt, dass möglichst viel
Lehre online und asynchron stattfinden soll, während an den Universitäten
die Präsenzlehre noch hoch gehalten wird und der Dozent das
Zentrum des Kurses darstellt.
Entsprechende Konzepte werden in der Erwachsenenbildung und
Fortbildung auch allmählich ausprobiert, haben sich aber noch nicht
richtig gut durchgesetzt. Letztlich lernen viele Menschen immer noch
gerne von und mit anderen zusammen. Bei den Fernstudenten steht
dem allerdings im Wege, dass sie tagsüber arbeiten müssen.
Aus didaktischer Sicht ist die Kombination aus Präsenzlehre und
E-Learning optimal, um Faktenwissen und Fähigkeiten unterschiedlich
zu lehren und auch, um verschiedene Lerntypen und Lernbedürfnisse
der Teilnehmer/innen zu berücksichtigen. Manche lernen besser durch
die Diskussion mit einem Experten, andere beschäftigen sich lieber
alleine mit dem Stoff und brauchen den Dozenten nur gelegentlich,
um per E-Mail Antworten auf einige konkrete Fragen zu erhalten.

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