Gastbeitrag: Visualisierung von Anforderungen



Anforderungen sind selten eine spannende Lektüre. Schließlich sollen sie informieren, nicht unterhalten. Diejenigen, die damit arbeiten müssen, kommen um das Lesen nicht herum. Es gibt jedoch viele Stakeholder, die sich mit den Anforderungen auseinandersetzen sollten, aber große Schwierigkeiten dabei haben. Da geht es nicht nur um den Unterhaltungsfakor, sondern auch um das teilweise sehr technische Vokabular, das oft nicht allen Stakeholdern geläufig ist.

Um dieses Problem zu umschiffen, gibt es verschiedene Ansätze, den Stakeholdern die Anforderungen in einer vertrauten Weise zugänglich zu machen. Das ist zum Beispiel einer der Gründe, warum viele Anforderungsdokumente Bilder enthalten.

Eine nicht ganz billige Möglichkeiten ist auch die Erstellung von Prototypen oder Mock-ups. Bei diesen ist jedoch das Problem, dass diese, wenn sie einmal erstellt sind, nicht wirklich weiterverwendet werden können. Und wenn sich die Anforderungen ändern, dann sind die Prototypen schnell veraltet.

Ein anderer Ansatz ist es, eine Visualisierung zu erstellen, die direkt mit den Anforderungen verknüpft ist. Ändern sich die Anforderungen, dann ändert sich auch das Verhalten der Visualisierung. Der Haken an diesem Ansatz ist, dass die Anforderungen in einer Form vorliegen müssen, die die automatisierte Verknüpfung erlaubt. Dazu werden typischerweise formale Modellierungssprachen herangezogen. Zu den bekannteren gehört UML (auch wenn diese von vielen Experten bestenfalls als "semi-formal" bezeichnet wird). Eine andere, sehr ausdrucksstarke Sprache ist Event-B.

Auf der Forschung kommt die Werkzeugplatform Rodin, mit der sich Event-B-Modelle erstellen lassen. Für Rodin gibt es das Plugin BMotion Studio, mit dem Visualisierungen schnell mit der Maus erstellt werden können. Und zuletzt kann das Plugin ProR benutzt werden, um fie formalen Anforderungen mit den textuellen Anforderungen zu verlinken. Wie dies im Detail funktioniert, ist hier beschrieben.

Die Anforderungen nach Event-B zu "übersetzen" erfordert einen gewissen Aufwand. Aber wenn das erst einmal geschehen ist, dann kann die Visualisierung mit ein paar Klicks mit dem formalen Anforderungen verknüpft werden. Der Clou: Ändern sich die formalen Anforderungen, dann ändert sich sofort das Verhalten der Visualisierung. Es können auch für die selbe Visualisierung unterschiedliche Implementierungen ausprobiert werden.

Die Visualisierung kann interaktiv gestaltet werden: Nutzer können (mit der Maus) auf Knöpfe drücken oder Ereignisse auslösen, und die Visualisierung aktualisiert sich entsprechend. Auch Bewegung kann simuliert werden. Dabei ist es nicht notwendig, die formalen Anforderungen zu verstehen, oder überhaupt zu sehen.

Dr. Michael Jastram ist Project Lead und Committer vom Eclipse Requirements Modeling Frameworks. Er ist Geschäftsführer der Formal Mind GmbH, die Forschungsergebnisse im Bereich System-Engineering kommerzialisiert. Er wird die Visualisierung von Anforderungen am 16. März 2015 im Wissenschaftstrack der ReConf vorstellen. Er schreibt regelmäßig über Anforderungen, Modellierung und Eclipse in seinem englischsprachigen Blog und Newsletter.

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